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Psychotherapie


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Zwangserkrankungen

Was ist eine Zwangserkrankung?

Eine Zwangserkrankung (auch Zwangsstörung genannt) ist dadurch gekennzeichnet, dass die betroffenen Personen unter wiederkehrenden Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen leiden. Bei Zwangsgedanken ist der Betroffene immer wieder mit Ideen und Vorstellungen beschäftigt, die häufig gewalttätigen oder obszönen Inhaltes sind, oder einfach als sinnlos erlebt werden. 

Bei Zwangshandlungen muss der Betroffene immer wieder bestimmte Handlungen und Rituale ausführen, z.B. waschen, ordnen, kontrollieren. Sowohl Zwangshandlungen wie auch Zwangsgedanken werden als sehr quälend empfunden. Der Betroffene erkennt, dass die Zwangsgedanken und -handlungen übertrieben oder unbegründet sind, kann sich aber nicht gegen sie wehren. Die betroffenen Personen erfahren durch die Zwangserkrankung Einschränkungen im Alltag. 

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Zwangserkrankungen und Depressionen. Dabei zeigen Personen, die an einer Zwangserkrankung leiden, häufig depressive Symptome. Depressive Patienten können während einer depressiven Episode Zwangsgedanken entwickeln.

Wie häufig ist die Zwangserkrankung?

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Zwangserkrankung zu entwickeln, liegt bei ca. 2,5%. Dabei sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen. Der Beginn liegt häufig in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter.

Wie lässt sich die Zwangserkrankung behandeln?

Für die Behandlung ist zunächst wichtig festzustellen, ob der Betroffene unter Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen leidet, bzw. ob beides zusammen auftritt. Zwangsgedanken und Zwangshandlungen werden unterschiedlich behandelt. 

Bei den Zwangshandlungen eignen sich verhaltenstherapeutische Ansätze, insbesondere die Expositionstherapie. Hierbei wird der Betroffene mit Situationen konfrontiert, die die Zwangshandlungen auslösen. Zugleich wird er, mit seiner vorherigen Zustimmung, am Ausüben der Zwangshandlung gehindert. So kann der Betroffene lernen, seine Angst und Anspannung auch ohne die Zwangshandlung auszuhalten bzw. zu reduzieren. Für die Behandlung von Zwangsgedanken eignen sich besonders kognitive Therapieansätze. Dabei lernt der Patient, seine Zwangsgedanken neu zu bewerten, sie als Ausdruck der Erkrankung zu verstehen, und inhaltliche Aspekte der Zwangsgedanken neu zu beurteilen. 

Unterstützend zu den verhaltenstherapeutischen Methoden können Medikamente genommen werden. Hierbei eignen sich vorrangig Antidepressiva.Durch die Therapie können in soweit Erfolge erzielt werden, dass der Betroffene ein Maß an Kontrolle über seine Zwänge erzielt, was sich positiv auf die Lebensqualität auswirkt. Unbehandelt ist der Verlauf einer Zwangserkrankung eher chronisch.

Fallbeispiel

Die 20-jährige Frau K. ist aus dem Elternhaus ausgezogen, um in einer anderen Stadt ihre Ausbildung zu beginnen. Die Umstellung fällt ihr zunächst schwer, da sie nicht nur ihr gewohntes Umfeld aufgeben muss, sondern sich sowohl an das Arbeitsleben wie auch das Alleinleben in ihrer kleinen Wohnung gewöhnen muss. Im Verlauf des ersten Lehrjahres stellen sich nach und nach Kontrollzwänge beim Verlassen der Wohnung ein. Frau K. hatte immer das Gefühl, den Herd oder andere elektronische Geräte nicht ausgeschaltet zu haben, und befürchtete die Wohnung könnte in Brand geraten. Der Kontrollwunsch steigert sich so sehr, dass sie mehrmals nach dem Verlassen der Wohnung wieder in die Wohnung zurückkommt, um erneut alle Geräte zu kontrollieren. Die Kontrollen führen mehrfach dazu, dass Frau K. zu spät am Arbeitsplatz erscheint, weswegen sie von ihrem Ausbilder verwarnt wird.